Sie erzählte, wie sie auf die Stoffe ihrer oft blutgetränkten Romane verfällt und welche Erfahrungen sie mit Literaturbetrieb, Theater und Fernsehen gemacht hat. Gleich ihr erster, 1994 veröffentlichter Roman "Berliner Aufklärung", in dem ein Professor sein Leben als zerstückeltes Postgut beschließt, brachte ihr den Durchbruch und einen Ruf als viel versprechendes Talent. Im Universitätsmilieu kennt sich Thea Dorn aus. Nach dem Ende ihres Studiums unterrichtete sie viereinhalb Jahre Philosophie an der Freien Universität Berlin, was ihr genug Zeit und Geld zum Schreiben ließ. Endgültig etabliert hat sie sich mit dem Gewinn des Deutschen Krimipreises 2000, den sie für ihr Buch "Die Hirnkönigin" zugesprochen bekam. Darin macht eine Serienmörderin aus sexuellen Motiven Berlin unsicher. "So ein Fall ist bisher nicht dokumentiert, also habe ich mir überlegt, wie es wäre, wenn es ihn gebe."

Erfolg macht attraktiv: Thea Dorn bekam ein Angebot, in Hannover beim Theater als Dramaturgin zu arbeiten. "Man muss sich einfach ausprobieren. Heute kann ich zugeben: Ich habe mich geirrt." Sie schrieb ein Drehbuch für eine "Tatort" - Folge, die im Mai zu sehen ist und über die sie nur so viel verraten wollte: "Wer am Schluss nicht heult, hat ein Problem". Ein Filmprojekt überwintert in der Schublade, denn "im Zweifelsfall musst du alles selber machen, sonst klappt gar nichts". Demnächst moderiert sie im SWR eine eigene Literatursendung.

In der MB las Thea Dorn kurze Geschichten, die unter anderem von Herrenmode- und Frauenzeitschriftenbestellt worden waren. Jedes mal beendet eine Frau das Leben eines Herren, "aktuelle Herbstmorde für den Mann". Um wirklich zu berühren, waren die Geschichten zu seicht, die Figuren zu stereotyp. Aber das Thema kommt an, die Sprache ist originell. Wenn der Geschlechterkampf nur in der Phantasie so brutal ausgetragen wird, lässt sich darüber nett erzählen. Thea Dorn tat`s mit Genuss.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 16. Januar 2003

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