MDR-Literaturpreises 1997

Henner Kotte und seine Geschichte "Taxi!"

Henner Kotte gewann 1997 den MDR-Literaturwettbewerb mit der Kriminalgeschichte "Taxi". Darin geht es um einen Taxifahrer, der einem Freund nach einem Banküberfall zur Flucht verhilft. Weil eine zufällig im Taxi sitzende hochschwangere Frau den Räuber aber identifizieren kann, bringt der Taxifahrer sie um. - Für Kotte war dies der Beginn seiner Autoren-Karriere.
  
Geboren 1963 in Wolgast, wuchs er in Dresden auf. Seit 1984 lebt Kotte in Leipzig. Dort sowie in Dresden, Moskau und Stuttgart studierte er Germanistik und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent und Dozent für Deutsch als Fremdsprache. Später absolvierte er eine journalistische Weiterbildung. Heute arbeitet Henner Kotte als Redakteur und Theaterkritiker für Radio und Fernsehen. Zudem hat er sich als Autor von Krimis und Horrorgeschichten einen Namen gemacht. In der Leipziger "Moritzbastei" organisiert und moderiert Kotte regelmäßig die "Schwarze Serie", eine Talkrunde mit prominenten Gästen rund um die Themen Krimi und Horror.

VERÖFFENTLICHUNGEN (Auswahl): "Schnee vor der Hütten", Kriminalstück, UA 1999; "Natürlich tot! - Ein Jahr Buch", Fünf Finger Ferlag, 2000; "Tod im Talk" - der MDR-Internetkrimi (2000); "Vivace", Roman, Fünf Finger Ferlag, 2002; "Vergessene Akten. Ungelöste Kriminalfälle", Fernsehserie in Kooperation des Militzke-Verlages mit dem MDR-Sachsenspielgel, 2003.
 
DREI FRAGEN AN HENNER KOTTE
 
Hat Ihre Siegergeschichte heute noch eine Bedeutung für Sie?
Na aber klar. "Taxi" hat bis heute große Leseerfolge. Es gab sogar eine Livelesung, wo die Fluchtroute abgefahren wurde, und wir am Originalschauplatz lasen. Die Geschichte hat es sofort nach dem Wettbewerb als Fortsetzung in die "Bild"-Zeitung geschafft. Darauf rief das Fernsehen an. Denen war ich dann allerdings zu schräg.
 
Hat sich für Sie mit dem Sieg beim MDR-Literaturwettbewerb etwas geändert?
Der Preis war mein Entree in die Literatur. Bis dahin schrieb ich für die Lade, bis es die Freunde nicht mehr hören mochten und sagten, bewirb dich dort. Seitdem habe ich kontinuierlich weitergeschrieben. Eine Förderung der Bertelsmann-Stiftung erhalten. Ein Verlag hat sich gegründet, um meine Geschichten zu veröffentlichen. Kein Selbstverlag - mittlerweile hat der Fünf Finger Ferlag zumindest die Leipziger Off-Szene unter Vertrag.

Dann kam der Umschwung und heute kann ich meine Geschichten verkaufen. Einige sind als Comic erschienen - es soll eine Serie werden. Ein Kurzfilm wurde gedreht, Kai Wiesinger, Chantal de Freitas und Sven Martinek in den Hauptrollen. Und in der Leipziger Moritzbastei moderiere ich den Talk "Die schwarze Serie" Gäste u.a. Thea Dorn, die SoKo Leipzig und Dolly Buster. Auch diese Frau schreibt Krimis.
 
Was machen Sie heute?
Also ich ernähre mich als Autor. Zudem schreibe ich Kritiken für eine Zeitung. Aktuell schreibe ich zusammen mit Christian Lunzer an Pitavalgeschichten (Sammlung berühmter Rechtsfälle). Gemeinsam haben wir auch "Wilderer" herausgebracht. Das Buch mit wahren Kriminalgeschichten aus dem Wald ist gerade erschienen. Zudem ist ein Drehbuch fertig. Der Roman "Abriß Leipzig" erscheint am 9. September 2005. Und wenn das wer kauft, geht der "Abriß" in Serie.

Und soeben saß ich in der Vorjury des mdr-Literaturwettbewerbes und habe fast alle meine Favoriten in die Endrunde gebracht. Der 9. Mai wird spannend.
 

Quelle: MDR.DE | 13. Juni 2005