Vorsicht, Autor!    Texte von der Theke
Die Anthologie der FHL-Lesebühne 2008.

Vorsicht, Autor!Worte zuvor sollten bei einer Anthologie geschrieben werden. Nicht weil die Texte einer Erklärung bedürften, sondern weil die Lesebühne sich zum ersten Mal nachlesen lässt. Die Lesebühne ist "die sonntägliche Literaturshow für jedermann: Wer will, kann ans Mikro treten und aus seinen Lieblingsbüchern lesen. Ob eigene Texte oder die vom Nobelpreisträger, ob Gedicht oder Brachialpop, ob Trash oder Roman, ob Lautmalerei oder ein Drama mit verteilten Rollen. Egal, zehn Minuten gehört die Bühne euch, danach das Bier. Lampenfieber muss keiner haben." Das Konzept funktioniert. Mittlerweile ist der Sonntag aller zwei Wochen bei vielen fixes Datum. Und verblüffend, viele trauten sich, eigene Texte vorzustellen. Wie solch "Poetenweg" zum ersten Mal beschritten wird, welche Ängste, welche Hoffnung ein Autor damit verbindet, beschreibt Uwe Stöß in seiner Erzählung. Er war und ist nicht der einzige, der regelmäßig das Mikrophon auf dem Tresen entert. Da lag der Entschluss nicht weit, sie in einem Buche zu versammeln.

Bei vielen ist es Debüt, finden sie sich erstmal in einem Buche wieder. Auch das Konzept der Lesebühne: Der FHL-Club hatte nicht nur Idee und Obdach, sondern etablierte neben der Lesebühne einen dazugehörigen Taschenbuch Verlag. Die Reihe kann sich lesen und sehen lassen und schlägt manch namhafte Konkurrenz. Davon kann sich der geneigte Leser auch in dieser Sammlung neuer Texte überzeugen. Die offenbart eine Breite von klassisch bis Experiment, vom Dialog bis zum Essay, Lautlyrik, Erotik, Rap. Wie das Genre variiert, so variiert Alter und Erfahrung seiner Schreiber. Eigenes Erleben, Wunschvorstellung, ungeschönte Wirklichkeit steht neben Alptraum, Science Fiction, Humoreske.

Allen Texten aber ist gemeinsam, sie beeindrucken durch Ursprünglichkeit und Kunst. So ist die sonntägliche Lesebühne auch Mentor für Dramaturgie und Stil, versteht sich als Sprungbrett und als Trainer. Mit diesem Buche kann man sich von der Lebendigkeit Leipziger Literatur überzeugen. Und das Schöne ist, sie wurde von den sogenannten Literaten noch nicht zerredet oder tot gequatscht. Sie ist wie sie ist, Kunst die Spaß macht.