Der Tote im Baum
Der dritte Fall der Leipziger Mordkommission II um Hauptkommissar Lars Kohlund.


Ein voll besetzter Wagen kracht in der Leipziger »Kavalierskurve« auf einen Baum ? ein Schädel fällt aufs Dach. Im Geäst hängt eine mumifizierte Leiche.

Achtzehn Jahre später wird der ungelöste Fall dem jungen Kollegen zugeschoben, der seit kurzem im Rollstuhl sitzt. Dies ist seine einzige Chance, sich noch als tauglicher Polizist zu beweisen.

Ein Anwalt verpasst den wichtigsten Prozess seiner Karriere. Sein Verschwinden gibt allen ein Rätsel auf. Ist er wegen der brisanten Verhandlung entführt worden? Oder ist der Wessi abgehauen, weil er seine Ost-Freundin und deren Tochter nicht mehr ertragen hat?

Zwei Fälle halten die Kollegen der zweiten Leipziger Mordkommission um Hauptkommissar Lars Kohlund auf Trab. Und sie ziehen jeden im Umkreis der Ermittlungen weit zurück in seine eigene Vergangenheit ? und in die der Stadt Leipzig.

 

Leipziger Volkszeitung vom 30. Mai 2008
von Hartwig Hochstein, ehemaliger Chefredakteur

Kotte-Krimi:  Stakkato, Leichen und Leipzig

„Die Wiese wird von Bäumen begrenzt. Linden. Ahorn. Alle im Wagen sehen die Bäume, alle sehen den Baum. Er kommt direkt auf sie zu. Direkt. Ihm auszuweichen ist unmöglich. Sie ahnen das Ende“. Henner Kotte schildert den Unfall, mit dem sein neuer Roman beginnt, in kurzen, knappen Sätzen, sich jagenden Worten. Wie ein Schlagzeug-Solo. Und er lässt die Szene mit einem Paukenschlag enden: Aus dem Baum knallt ein Totenschädel aufs Autodach, im Geäst hängt eine Leiche.
Das Schicksal dieses Toten wie das eines vor seinem wichtigsten Prozess spurlos verschwundenen Anwalts halten die zweite Leipziger Mordkommission und die Leser in Atem. Letztere wegen des konsequent durchgehaltenen Stakkato-Schreibstils und einer packenden Story zwischen Kriminalroman und Horror-Geschichte.
Das aber ist nur der halbe Kotte. Auch im dritten Fall von Hauptkommissar Lars Kohlund und seinen Leuten baut der Autor (Moderator, Redakteur, Theaterkritiker) seine Mords-Geschichte zu einem Leipzig-Porträt der besonderen Art aus. Er schildert die Eifersüchteleien im Polizeipräsidium, die Sticheleien zwischen Besser-Wessis und Nostalgie-Ossis; er entlarvt Anwaltskanzleien, in denen nur die golden blinkenden Messingschilder wirklich glänzen; er legt den Finger auf Wende-Wunden, die auch fast 20 Jahre danach noch schmerzen.
So hart die Kriminalfälle dargestellt werden, so einfühlsam und manchmal ironisch widmet sich Kotte dieser Seite der Stadt, in der er seit 1984 lebt. Das vermag kein Tatort und keine TV-Soko zu leisten. Wer den Start verpasst hat und mehr davon möchte, kommt übrigens nicht zu spät: „Abriss Leipzig“, Kohlunds Debüt, ist eben in zweiter Auflage erschienen.

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